
„Teheran befindet sich im Ausnahmezustand“ schreibt die Zeit am 14.06.2009. „Aufruhr in Teheran: Der Spalt durch die Gesellschaft geht immer tiefer“ lautet der Titel beim Handelsblatt, „100 Oppositionelle verhaftet“ erklärt n-tv und „Schwere Straßenschlachten nach Ahmadinejads Wahlsieg“ kommentiert der Spiegel. In den letzten Tagen gibt es so viele Artikel wie es Verleger gibt.
Doch was passiert tatsächlich im Iran. Hat sich ein Journalist die Mühe gemacht, die Situation zu durchleuchten?
Seit Tagen demonstrieren Hunderttausende, meist Frauen und junge Iraner. Aber kann man sie als „Mussawi-Anhänger“ bezeichnen? Tatsache ist, dass die Menschen im Iran sich Straßenschlachten nicht nur mit der Polizei sondern vielmehr mit den Sonderheiten des Revolutionsführers liefern. Es sind vermummte Spezialeinheiten auf Motorrädern mit Knüppeln und Stahlketten, die erbarmungslos und wahllos Jagd auf Passanten machen. Es sind wiederum Iraner, die mit Handys und Kameras gefilmte Szenen und Bilder in die Welt versenden, wie ein Hilfeschrei, ohne dass sie wirklich eine Antwort erhalten. Und wahrscheinlich wird die Welt wieder einmal nur zusehen, wie Iraner geschlagen, gepeinigt, verhaftet und hingerichtet werden, um sich dann im Weltsicherheitsrat wiederzufinden und das iranische Atomprogramm zu verurteilen. Und wer wird wieder der Leidtragende sein? Die iranische Regierung? Der iranische Präsident, sei es Ahmadinejad oder Mussawi? Nein, unter den Sanktionen wird das iranische Volk leiden!
"Nieder mit dem Diktator", "Nieder mit dem Regime des Demagogen" und "Basijis haut ab!", skandieren die enttäuschten Menschen im Iran.
„Wie undemokratisch“, schreiben einige Zeitungen und halten eine Wiederwahl von Ahmadinejad doch für möglich ohne aber nachzudenken, dass der größte Teil der Menschen, der tatsächlich Ahmadinejad gewählt hat, sich nicht für das Thema Antisemitismus oder Atomprogramm interessiert, er ist nur dankbar, dass einer ihm etwas zu essen geben will und versprochen hat, eine Wasserleitung ins Dorf zu legen.
Manche bezeichnen diese Demonstranten als Anhänger von Mussawi, die eine Änderung im System haben wollen. Wer eine solche leichtsinnige Behauptung stellt, ist entweder naiv oder fehlinformiert. Tatsache ist, dass die Menschen im Iran nach Freiheit rufen! Unabhängig ob sie auf dem Land oder in den Städten leben.
Es sind Frauen, die die Unterdrückung durch den islamischen Staat leid sind, die sich nach Selbstbestimmung sehnen, die sich nicht durch die islamischen Gesetze benachteiligen lassen wollen, die das Sorgerecht für Ihre Kinder haben wollen, die es einfach leid sind, sich zu verhüllen, die nicht im Schatten der Männer stehen wollen und in diesen Tagen im Iran auf die Straße gehen! Unabhängig davon, ob sie auf dem Land oder in den Städten leben.
Es sind junge Iranerinnen und Iraner, die sich nach einem besseren Leben sehnen, die eine Arbeit suchen, die eine Familie gründen wollen, die sich entfalten wollen, ohne fürchten zu müssen, aufgrund der islamischen Gesetzen verhaftet zu werden, die einfach mit Neid in die Welt hinausschauen und sehen, wie ihre Altersgenossen leben und wie sie hier geschlagen, gepeitscht und unterdrückt werden. Diese Jungend ruft heute lautstark „Tod dem Diktator“. Unabhängig davon, ob sie auf dem Land oder in den Städten leben.
Wenn man genau hinschaut, dann erkennt man, dass es Iraner sind, die einfach Frieden wollen! Unabhängig ob sie auf dem Land oder in den Städten leben.
Die Menschen im Iran haben 30 Jahre den Islamischen Staat kennengelernt. Sie haben auch 8 Jahre lange mit Mussawi als Premierminister erlebt. Sie haben erlebt, wie der Islamische Staat die Frauen brutal unterdrückt, Oppositionelle hingerichtet und seine Macht verfestigte hat. Genau in dieser Zeit war Chatami Propagandaminister und die Iraner haben mit ihm noch mal während seiner Regierunzeit von 1997 bis 2005 die bittere Erfahrung gemacht, dass der islamische Staat nicht reformierbar ist. In der Amtszeit von Chatami sind ebenfalls junge Iraner, Studenten und Regimekritiker verhaftet und Frauen unterdrückt worden. Und es war der „sympathische Mullah“, der das Atomprogramm vorangetrieben hatte. Das ganze geschah nur weniger aggressiv und mit einem Lächeln im Gesicht des Mullahs.
Die Menschen im Iran wissen, dass ein Präsident in einem islamischen Republik Iran, die Sehnsucht nach Freiheit, Frieden und Selbstbestimmung nichterfüllen wird: Der Präsident im Iran, egal ob Ahmadinejad oder Mussawi kann und wird nicht den Gottesstaat in Frage stellen! Er hat unter den Revolutionswächter, Ali Chamenei, noch nicht einmal die Befugnisse sich überhaupt eine solche Frage zu stellen.
Die Iraner hatten nun die Wahl zwischen einer Amputation mit oder ohne Schmerzmittel. Und sie haben sich für Mussawi entschieden, um mindestens zu zeigen, dass sie keine Terroristen oder Fanatiker sind, wie sie von George W. Buch und die Europäische Union hingestellt worden sind und dass man sich entschieden hat, wie die Regierung in Washington stets erwartet hat. Aber nicht einmal dies wollte der Islamische Staat unter seinem Revolutionswächter erlauben.
Heute geht das iranische Volk nicht auf die Straße, um für einen Befürworter des Gottesstaates zu kämpfen. Nein, sie schreien nach Freiheit und sie haben sich sehr weit aus dem Fenster gelehnt! Was kann man mehr erwarten? Wie wird aber die Antwort der Welt lauten?
Es ist zu befürchten, dass dieser Ruf bald verhallen wird, denn die Europäische Regierung und voran die Bundesregierung unter Angela Merkel, hat keine Interesse eine tatsächliche Änderung im Iran herbeizuführen. Man würde nicht einmal den Namen erwähnen, wenn es doch nicht ein kleines Problem mit einem Atomprogramm gebe. Wenn heute Steinmeier nach der Wahl den iranischen Botschafter einbestellt, dann ist er nicht um die Menschen im Iran besorgt, sondern will gerne, dass er mit Mussawi einen angenehmeren Verhandlungspartner vorfindet.
Die Iraner sind einst durch Lügen und Machenschaft verführt worden und haben ihre damalige iranische Regierung ins Exil geschickt und werden heute wieder belogen, betrogen und im Stich gelassen.
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